Das Kinetische Archiv© ist eine mobile Ordnung/Anordnung von AOBBME seit 1987. Es umfasst 3 Pools: ein internes Archiv, ein externes Archiv und ein Werk-Archiv. Das Kinetische Archiv© wird kontinuierlich fortgeführt und hat aktuell eine Kapazität von etwa 3000 Bilddaten.
Das interne Archiv beschreibt den menschlichen Mentalkörper als Speicher und Austragungsort allen Geschehens. Die inneren Landschaften (emotionale, gedankliche, visuelle, akustische, haptische etc.) sind der interne Schauplatz von Dramen, das heißt von Aushandlungsverhältnissen zwischen Mustern, Ordnungen und Konstellationen. Das Interne Archiv ist ein Speicher psychoaktiven Materials, das durch neurophysiologische Daten die Kapazität immer mehr erweitert und differenziert.
Das Interne Archiv wird über Anordnungen wie Pinboards, Tafeln, Textbilder, Fotos und Sammlungen repräsentiert. Das Pinboard dient als Zuordnungs-, Verdichtungs- und Übergangsgelände – ein fluktuierendes Siedlungs- und Ballungsgebiet von Gedanken, Bild- und Sprachbegriffen. Diese Elemente werden als tools, codes, keys und trigger der Raumproduktion bezeichnet. Sie werden am Ursprung ihrer Entdeckung, Entstehung und Entwicklung mit einem © vermerkt.
In den 1990er Jahren entwickelte Yana Milev das Projektionsforum©, das mit seriellem Material aus dem Kinetischen Archiv© gespeist wurde. So z. B. war „Urban Sentio“ ein Unterthema zu dem großen Thema der Urbanisierung, mit dem sich Yana Milev explizit seit den 90ern auseinandersetze. „Urban Sentio“ ist eine Sammlung von ca 1000 Physiognomien historischer, ethnischer, gesellschaftlicher, privater und öffentlicher Prototypen und Behaviors von Tabu, Norm, Gewalt, Sex, Schönheit und Destruktion. Urbanisierung bedeutet für Yana Milev nicht nur „Verstädterung“ im Sinne von Baukultur, sondern auch Körperkultur.
Der Pazifismus ist die Umkehrung der Kriegsmaschine in die Urbanisierungsmaschine. Die Eroberung, Durchzirkelung, Zersiedelung und Funktionalisierung von Raum vollzieht sich am Austragungsort des Körpers. Deshalb ist vor allem Architektur eine Geschichte der Macht, weil sie die Körper beherrscht. Mit dem Thema des Kinos findet Architektur eine galaktische Erweiterung. Phantasien und Projektionen der urbanisierten Körper werden exterritorialisiert. Dabei spielt nur am Anfang das Kinomategraphentheater eine Rolle. Der Film lässt sich nicht ghettoisieren und bricht sich Bahn im Stadtraum und in den Körpern. Billboards und Fashion, Medienpolitik und Marketing liefern Schlachten der Bilder und Ikonen, ein Design aus Fleisch und Blut.
Das Werkarchiv ist eine Anlage sämtlicher Arbeiten von Yana Milev, die in einem nachvollziehbaren Werkzusammenhang stehen. Gemeint sind Kunstwerke, Theoriewerke, Designwerke, Auftragswerke usw. Im Werkarchiv sind alle Arbeiten von Yana Milev katalogisiert, die im baulichen, filmischen, architektonischen Zusammenhang als Installation, Film, Kunst im öffentlichen Raum, Performance, als Arbeiten der visuellen Kommunikation und des „Architectural und Scenografical Designs“ entstanden sind.
In der Planung und Durchführung, sowie auch Präsentation von Projekten, greift Yana Milev immer wieder auf das Interne Archiv oder auch Externe Archiv zurück. Anders herum wird das Archiv generell mit jeder neuen Arbeit erweitert.
Seit 1990er Jahren entwickelt Yana Milev das sogenannte Projektionsforum©. Es ist eine Rauminstallation mit filmischem Charakter. Zunächst kamen die Bilddaten aus dem Kinetischen Archiv© in einer Rundum-Dia-Projektion in Aktion. Sie installierte auf einem oktogonalen Gestell 16 Karoussel-Projektoren auf 8 Positionen. In Überblendprojektion, die in 8 Raumrichtungen wiesen, entstand eine Art 360° Bildsampling. Dabei waren ungefähr 1500 Dias im Einsatz. Diese Version ist der Vorläufer der späteren rotierenden Projektionspanels. Auf den Panels war nunmehr nur noch eine Überblend-Karoussel-Station installiert. Durch die Rotation entstand auf den Wänden ein fließender 360° Filmfries. In den Projektionsforen© werden Archiv, Film und Maschine ganz nah beieinander thematisiert.